Podcasts haben sich seit 2020 vom Nischenformat zum festen Bestandteil des Medienalltags entwickelt. Die Coronajahre haben diesen Trend beschleunigt. Inzwischen ist das Angebot vielfältiger und professioneller geworden – aber damit auch unübersichtlicher. Ein Überblick über die beliebtesten Formate, Stars und wo man gute Podcasts findet.
Der eine ist Grillweltmeister, der andere grillt in der Kreisliga. Das sagen Klaus Breinig und Tobias Heyer über sich, die Moderatoren des Podcasts „Wir grillen“. Ob Grillgemüse und Würstchen, Pizza, Burger oder Fondue – wer Inspirationen für die Grillsaison sucht, findet in dieser Ecke des Podcast-Universums viele Anregungen. Seit 2020 sind bereits über 180 Folgen des Podcasts erschienen – ein Beispiel für die Popularität des Mediums.
Wie viele Podcasts es insgesamt weltweit gibt, lässt sich nur grob schätzen. Das Portal Listen Notes zählt derzeit rund 3,78 Millionen Podcasts mit fast 190 Millionen Episoden. Die Webseite Datareportal meldete 2025, dass rund 22 Prozent der erwachsenen Internetnutzer weltweit mindestens einmal pro Woche einen Podcast hören. Auch in Deutschland ist die Nutzung deutlich gestiegen. Laut dem Digitalverband Bitkom hört fast jeder Zweite ab 16 Jahren zumindest gelegentlich Podcasts.
Für Pendler und Vielfahrer sind sie ebenso praktische Begleiter wie für Jogger, Spaziergänger oder Menschen, die beim Kochen, Putzen oder Einschlafen gern etwas hören. Manche lassen Podcasts nebenbei laufen. Andere hören oder schauen ganz bewusst zu, wenn ihre Lieblingsmoderatoren aktuelle Ereignisse einordnen, persönliche Geschichten erzählen oder praktische Tipps geben.
Was besonders gern gehört wird
Für fast jedes Interesse gibt es das passende Format. Wer heute einen neuen Lieblingspodcast sucht, hat die Auswahl zwischen Nachrichten, Comedy, True Crime, Wissen, Lebenshilfe, Sport, Garten, Finanzen, Geschichte und vielen weiteren Themen.
Zu den auffälligsten Podcast-Bereichen gehören True Crime und Unterhaltung. Im Spotify-Jahresrückblick 2025 waren die meistgehörten Podcasts in Deutschland auf der Plattform vor allem aus diesem Umfeld: „Gemischtes Hack“, „Mordlust“, „Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood“, „Mord auf Ex“ und „Hotel Matze“. Und jeder unterhält auf seine Art: mal als lockeres Gespräch, mal als Interview, mal als erzählter und sorgfältig recherchierter Kriminalfall.
Ein zweiter großer Bereich sind Nachrichten, Politik und Gesellschaft. Dazu gehören Meinungs- und Erklärformate wie „Lanz + Precht“, „Apokalypse & Filterkaffee“ oder „Ronzheimer“. Viele Hörer suchen dort nicht nur Meldungen, sondern Einordnung, Hintergrund und Streitgespräch. Podcasts bieten dafür mehr Raum als kurze Nachrichtenbeiträge. Allerdings kann es auch problematisch sein, wenn man sich ausschließlich über diese Podcasts informiert und nicht mehr zusätzlich über Radio, Fernsehen oder andere journalistische Angebote. Leicht gerät man in eine meinungsgetriebene Filterblase, die nur den eigenen Standpunkt unterstützt.
Ebenfalls beliebt sind Wissen, Wissenschaft und Lernen. Formate wie „Wissen Weekly“, „Eine Stunde History“ oder „Sternengeschichten“ profitieren davon, dass Podcasts längere Erklärungen erlauben. Auch die Sparkasse hat ihren eigenen Podcast: „Mehr als Geld“ heißt er und informiert über Themen wie Online-Shopping, das erste Auto oder Schuldenfallen.
Wer sind die Stars?
Einige der bekanntesten deutschen Podcaster sind:
- Felix Lobrecht und Tommi Schmitt: Ihr Audio- und Video-Podcast „Gemischtes Hack“ lebt von einer Mischung aus Comedy, Alltagserzählung und Gespräch. Lobrecht ist Comedian und Autor, Schmitt Moderator und Autor.
- Bill und Tom Kaulitz von der Band Tokio Hotel. In ihrem Podcast „Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood“ sprechen die künftigen „Wetten dass“-Moderatoren über Privates, Popkultur und Unterhaltung. Der Erfolg zeigt, dass Prominente im Podcast nicht nur interviewt werden müssen, sondern selbst zu regelmäßigen Erzählern werden können.
- Paulina Krasa und Laura Wohlers. Der Podcast „Mordlust“ der beiden Journalistinnen verbindet Recherche, Erzählung und Einordnung von Kriminalfällen aus Deutschland. Das Format steht beispielhaft für den anhaltenden Erfolg von True Crime.
- Matze Hielscher ist mit „Hotel Matze“ einer der prägenden Interviewer der deutschen Podcast-Szene. Er spricht in seinem Podcast seit 2016 mit Menschen aus Kultur, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft.
- Eva Schulz und Ralph Caspers (siehe Foto oben): In ihrem Podcast „Battle of the Nerds“ treten die beiden im Duell um das ultimative Nerd-Wissen an, gecoacht von echten Super-Fans. Damit gewannen sie im Mai 2026 de Deutschen Podcast Award in der Kategorie Innovation und Storytelling.
Video macht Audio zunehmend Konkurrenz
Die meisten Podcasts werden gehört – im Auto, beim Putzen, beim Spazierengehen oder beim Einschlafen. Genau diese Flexibilität unterscheidet sie von vielen anderen Medien. Gleichzeitig wächst aber die Bedeutung von Video. Der Online-Audio-Monitor 2025 meldete, dass 42 Prozent der regelmäßigen Podcast-Nutzer auch Podcasts nutzen, bei denen parallel ein Video läuft. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 61 Prozent.
Video-Podcasts werden vor allem deshalb beliebter, weil sie Mimik und Gestik zeigen und somit die Inhalte leichter zugänglich werden. Außerdem lassen sich Ausschnitte gut in sozialen Netzwerken verbreiten. Für viele Podcasts bleibt Audio trotzdem entscheidend: Wer unterwegs ist oder nebenbei etwas erledigt, kann eben meist nicht auf einen Bildschirm schauen.
Eine Standardlänge gibt es nicht. Nachrichtenpodcasts dauern oft 10 bis 20 Minuten. Interview- und Gesprächsformate kommen häufig auf 45 bis 90 Minuten. Entscheidend ist weniger die Länge als die Nutzungssituation. Wer morgens einen schnellen Überblick sucht, wählt eher ein kurzes Format. Wer bei einer Autofahrt oder beim Spaziergang zuhört, hat oft Zeit für ein ausführliches Gespräch.
Wo findet man Orientierung?
Wer nach neuen Podcasts sucht, findet auf einer ganzen Reihe von Plattformen Hilfe. Ein Überblick:
- Podwatch bündelt tagesaktuell die Podcast-Charts von iTunes und Spotify. Die Ranglisten schwanken dadurch aber auch stark.
- Podcast.de ist hilfreich, wenn man gezielt nach deutschsprachigen Podcasts zu bestimmten Themen sucht.
- Apple Podcasts zeigt Charts, Kategorien und Jahresrückblicke. Das hilft, populäre Serien und neue Aufsteiger auf dieser Plattform zu entdecken.
- Spotify Charts sind ebenfalls wichtig, weil Spotify für viele Menschen eine zentrale Podcast-Plattform ist. Man kann sich außer den deutschen Spotify-Charts auch die Favoriten aus anderen Ländern anzeigen lassen.
- Rephonic eignet sich vor allem, um internationale Podcasts auf Youtube, Spotify und iTunes in bestimmten Kategorien zu suchen.

Die Ranglisten unterscheiden sich je nach Plattform. Was bei Spotify weit oben steht, muss bei Apple Podcasts, Podwatch oder Podcast.de nicht automatisch genauso platziert sein. Für Hörer ist das kein Problem. Im Gegenteil: Wer mehrere Plattformen nutzt, entdeckt mehr.
Weitere Tipps
Auch die Mediatheken und Audiotheken öffentlich-rechtlicher Anbieter wie ARD Sounds und ZDF sind eine gute Anlaufstelle, etwa für Nachrichten, Wissen, Kultur und Gesellschaft. Am einfachsten ist oft eine Mischung aus mehreren Wegen: ein Blick in die Charts, eine Suche nach dem eigenen Lieblingsthema und ein kurzer Test mit einer aktuellen Folge. Wer nach zehn Minuten nicht hängen bleibt, kann weiterziehen. Das Angebot ist groß genug.
Ein Tipp: Gute Podcast-Empfehlungen finden Sie auch im Sparkassen-Magazin flin. Dort finden Sie jede Woche eine neue, spannende Empfehlung – wie zum Beispiel den Podcasts „Wir grillen“.

Fotos: ARD Kultur/Pool Artists, Midjourney

