Mit der diesjährigen Fußball-WM entdecken immer mehr Fans die Leidenschaft fürs Sammeln von Karten ihrer Lieblingsspieler. Wie sich mit Spaß an der Sache Geld verdienen lässt.
Text: Eva Neuthinger
Wenn man die gehabt hätte: Eine Sammelkarte des Weltfußballers Lionel Messi wurde im vergangenen Jahr zum Rekordwert von 1,5 Millionen US-Dollar, das entspricht etwa 1,3 Millionen Euro, versteigert. Es handelte sich um ein sehr gut erhaltenes Panini-Stück der Saison 2004/2005. Ein Porträt des Fußballers Pelé aus dem Jahr 1958 hatte vor vier Jahren für 1,33 Millionen US-Dollar seinen Besitzer gewechselt.
Solche Nachrichten schaffen Aufmerksamkeit. Die Fangemeinde dieser und weitaus günstigerer Fußballsammelkarten wird immer größer. So belebt etwa die diesjährige WM das Geschäft. Auch diesmal erschien wieder ein neues Panini-Sammelalbum zum Fifa-Turnier 2026. 980 Sticker passen auf 112 Seiten. Man kann ohne Mühe viele Hundert Euro auf den Tisch legen, um die Kladden vollzubekommen.
Auf die Kartenart kommt es an
Doch während die Panini-Klebebilder in Massen produziert werden und nur in Ausnahmefällen hohe Summen erzielen, sind Tradingcards von vornherein als Investitionsobjekte konzipiert. Diese festen Karten firmieren unter Namen wie Topps Chrome oder Panini Prizm. Ihre Auflage ist gering, sie sind meist nummeriert und besonders veredelt, um sich von der Masse abzuheben, etwa durch farbige Ränder oder eine Reflexionsbeschichtung.

In der Regel sind es private Sammler, die bereit sind, tief in die Tasche zu greifen. Es geht ihnen nicht darum, die Objekte mit Gewinn wieder abzustoßen. „Man sammelt nicht, um zu verkaufen, man sammelt, um zu besitzen“, erklärte Ivan Beslic dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im April.
Beslic hat einen Namen, er führt mit seinem Bruder Kristijan in Langenfeld bei Düsseldorf den bekannten B-Brothers Store für Sammelkarten. Kartenliebhaber suchen häufig über Monate und Jahre in solchen Läden, auf Messen, bei Ebay, spezialisierten Portalen wie Goldin Auctions, Heritage Auctions und Cardmarket oder auf Auktionen nach einer gewünschten Tradingcard, die sie aus purer Freude am Hobby haben möchten. Wie sich deren Wert entwickelt, ist für sie zweitrangig.
Heute top, morgen Flop
Doch, so fasst es der begeisterte Sammler Sebastian Zocher zusammen, „man kann viel Geld verbrennen“. Die Preise für Sammelkarten schwanken enorm. Eine heute gehypte Tradingcard kann morgen ein Flop sein. Deshalb sollte jeder Interessent eine ungefähre Vorstellung davon haben, wie viel er für eine Sammelkarte ausgeben will. „Das ist wie beim Aktienmarkt“, erklärt Zocher. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Cardmadness, das in Düsseldorf und Frankfurt große Messen für Sammelkarten organisiert. „Mehr als 9000 Sammlerinnen und Sammler treffen sich bei uns, um zu tauschen, zu kaufen oder um zu sehen, was zu welchen Preisen angeboten wird. Die meisten Besucher legen ihren Fokus auf Fußballsammelkarten“, so Zocher.
Er selbst interessiert sich bereits seit Kindertagen für Sport-Tradingcards, genauso wie sein Partner und Co-Geschäftsführer Andreas Hümmerich. Nach einer USA-Reise kam Zocher auf die Idee, eine eigene Sammelkartenmesse zu veranstalten. „Mir wurde klar, dass in Deutschland und in Europa große Börsen dafür fehlten“, erzählt er. Das Feedback war schon beim Start enorm. „Unsere Veranstaltungen sind inzwischen Monate im Voraus ausverkauft“, so Zocher. Er meint, eine Messe zu besuchen, sei eine gute Möglichkeit, um sich als Einsteiger über den Markt zu informieren und um mit anderen Fans in Kontakt zu kommen.
Ebenso sinnvoll ist es, sich in Foren Wissen zu seltenen Karten und angesagten Spielern zu verschaffen. Insbesondere Ebay gilt als erste Adresse für die Recherche. Schließlich sitzen viele Verkäufer in Übersee, zahlreiche in den Vereinigten Staaten, wo die Sammlergemeinde zudem deutlich größer ist als in Deutschland.
Den Wert im Blick haben
Das Angebot ist auf jeden Fall groß. „Man kann sich beim Sammeln auf die Karten eines einzigen Fußballstars konzentrieren. Aber wenn er noch nicht bekannt ist, sollte man vorsichtig investieren“, rät Zocher. Mit Blick auf den Werterhalt ist es sicherer, den Fokus auf Sammlerstücke bekannter Spieler mit einer großen Fangemeinde zu legen. Allein aufs Bauchgefühl zu hören, kann teuer werden. Beliebt sind Karten von Nachwuchstalenten im ersten Profijahr, sogenannten Rookies. Aber es kommt am Ende darauf an, wie erfolgreich ein Spieler ist. Eine Karriere kann schnell beendet sein.
Auf jeden Fall gilt: je besser erhalten, desto höher ist der Wert. Wer kauft, sollte darauf achten, dass für die Sammelkarte ein Zertifikat – etwa von PSA oder Beckett Grading Services – vorliegt, dass ihr Zustand bewertet wurde und sie echt ist. Bei Sammelkarten mit Autogrammen wird dies durch einen Hinweis auf der Rückseite vom Hersteller zertifiziert. Karten mit einer Zehnerbewertung sind makellos. Beim Kauf oder späteren Verkauf gehen diese häufig mit einem Zuschlag über den Tresen. Kratzer, abgewetzte Ränder oder Kanten, verblasste Farben und Knicke dagegen mindern den Wert. Hinweis: Jeder Kartenbesitzer kann seine eigenen Objekte vor einem Verkauf selbst graden lassen. Das allein bringt bei einer Versteigerung in der Regel mehr Ertrag.
Was beim Kauf zählt
Auf welche Aspekte erfahrene Sammler neben Karriere und Entwicklungspotenzial des Spielers achten.
- Wenn das Sammlerstück rar ist und zu einer speziellen Edition gehört, ist das meist preistreibend, genauso wie eine limitierte Auflage (etwa 100 Stück) oder eine Nummerierung.
- Ältere Karten bekannter Spieler sind wertvoller, weil es sie meist seltener gibt.
- Besondere Merkmale wie Fehldrucke oder außergewöhnliche Designs kommen gut an – ebenso, wenn die Karte handsigniert ist.
- Beim Kauf einzelner Karten weiß man, was man hat. Was genau in den ebenfalls beliebten Sammelboxen ist, erfahren Käufer erst, wenn sie diese öffnen.
Fotos: Imago, Panini

