Altersvorsorge ist kein Thema nur für später. Wer in jungen Jahren rechtzeitig vorsorgt, nutzt die Zeit als größten Verbündeten, schließt seine Versorgungslücken und sichert sich finanzielle Spielräume für das Alter.
Text: Katja Stricker
Rente ist für viele junge Menschen ein fernes Thema. Studium, Ausbildung, erster Job: Der Ruhestand ist Lichtjahre entfernt. Und doch ist die Sorge um die Absicherung im Alter bei jungen Erwachsenen längst angekommen. In einer Forsa-Umfrage gab mehr als die Hälfte der 20- bis 29-Jährigen an, Angst vor Altersarmut zu haben. Gleichzeitig sagten fast 70 Prozent, dass private Vorsorge grundsätzlich wichtig sei.
Dennoch sorgt lediglich ein Drittel dieser Altersgruppe privat vor, denn das Thema wirkt abstrakt und kompliziert. Dabei ist gerade der frühe Einstieg entscheidend. „Schon junge Leute sollten mit dem Sparen beginnen, weil sie einen entscheidenden Verbündeten haben: Zeit“, sagt Korina Dörr, Leiterin des Beratungsdiensts Geld und Haushalt beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. „Je früher sie anfangen, desto weniger müssen sie monatlich zurücklegen, um später ein gutes finanzielles Polster zu haben.“
Problem Umlageverfahren
Die gesetzliche Rentenversicherung bildet auch für die heutige junge Generation die Basis der Altersversorgung. Sie funktioniert nach dem Umlageverfahren: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen – gemeinsam mit ihren Arbeitgebern – monatlich aktuell 18,6 Prozent ihres Bruttolohns ein. Dieses Geld wird unmittelbar an die heutigen Rentnerinnen und Rentner ausgezahlt. Die eigene Rente entsteht nicht durch angespartes Kapital, sondern durch Entgeltpunkte, die im Laufe des Berufslebens erworben werden.
„Es gibt immer weniger Beitragszahler und immer mehr Rentenempfänger“
Diese Rentenpunkte spiegeln wider, wie hoch das eigene Einkommen im Vergleich zum Durchschnittsverdienst war. Wer ein Jahr lang genau durchschnittlich verdient, erhält einen Punkt, bei höherem oder niedrigerem Einkommen entsprechend mehr oder weniger. Ausbildungszeiten, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen können sich rentensteigernd auswirken. Am Ende des Erwerbslebens werden alle Punkte addiert und mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert – derzeit 40,79 Euro pro Punkt.
Ergänzende Vorsorge unverzichtbar
Die gesetzliche Rente allein wird aber nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu halten. „Es gibt immer weniger Beitragszahler und immer mehr Rentenempfänger. Das setzt das System unter Druck“, erklärt Dörr. Wie groß die Versorgungslücke später ausfallen wird, lässt sich für 20- bis 25-Jährige nicht exakt berechnen. Einkommen, Erwerbsbiografien und politische Rahmenbedingungen werden sich verändern.

Dennoch gibt es Orientierungswerte. Um den Lebensstandard im Ruhestand einigermaßen zu halten, werden etwa 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens benötigt. Dem steht ein prognostiziertes Rentenniveau von maximal 50 Prozent gegenüber – vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben. „Damit wird im Alter jeder eine Versorgungslücke haben“, warnt Korina Dörr.
Umso wichtiger sei es, frühzeitig private und betriebliche Vorsorge zu kombinieren. Gerade die betriebliche Altersvorsorge könne dabei eine zentrale Rolle spielen, da sie oft durch Arbeitgeberzuschüsse oder steuerliche Vorteile ergänzt werde. „Wenn der Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge anbietet, sollte man diese Möglichkeit unbedingt nutzen“, rät Dörr.
Bewusstsein ist da
Dass junge Menschen grundsätzlich bereit sind, zu sparen, belegen Studien. Die „Jugendstudie 2024“ des Bundesverbands deutscher Banken zeigt, dass mehr als die Hälfte der 14- bis 24-Jährigen regelmäßig spart, weitere knapp 30 Prozent zumindest gelegentlich.
„Schon kleine monatliche Beträge können langfristig enorme Wirkung entfalten“
Was häufig fehlt, ist die klare Verbindung zwischen Sparen heute und Versorgung im Alter. Viele legen Geld zurück, ohne es als Altersvorsorge zu begreifen. Hier setzt frühzeitige Orientierung an. „Wichtig ist, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass von jedem verdienten Euro ein kleiner Teil für die Zukunft zurückgelegt werden sollte. Die Höhe gilt es je nach Lebensverlauf entsprechend anzupassen“, sagt Dörr.
Wie wirkungsvoll frühes Sparen sein kann, zeigt der Zinseszinseffekt. „Schon kleine monatliche Beträge können langfristig eine enorme Wirkung entfalten“, verdeutlicht Dörr anhand eines Beispiels. Wer ab dem 20. Lebensjahr monatlich 100 Euro in einem ETF-Sparplan anlegt und bis zum Rentenbeginn durchhält, zahlt über die Jahre rund 56.000 Euro ein. Durch den Zinseszinseffekt entstünde daraus bei einer moderaten durchschnittlichen Jahresrendite von 4 Prozent ein Vermögen von rund 160.000 Euro. Der entscheidende Faktor ist dabei nicht die Höhe der Beträge, sondern die Zeit.
Gute Beratung ist wertvoll
Wer sich früh informiert, gewinnt Planungssicherheit und vermeidet spätere Überraschungen. Schon junge Menschen können sich beraten lassen – etwa bei der Deutschen Rentenversicherung, die über den individuellen Versicherungsverlauf informiert, oder bei der Sparkasse vor Ort. Persönliche Beratung hilft dabei, die eigene Situation realistisch einzuschätzen und erste Maßnahmen zu ergreifen, denn Altersvorsorge beginnt nicht mit dem ersten großen Gehalt, sondern mit dem ersten bewussten Schritt.
Frühstart-Rente
Altersvorsorge für Kinder: Was die Regierung plant.
Dieses Jahr soll das Gesetz für eine staatlich geförderte Altersvorsorge für Kinder ab sechs Jahren und Jugendliche verabschiedet werden. Monatlich sollen 10 Euro in ein kapitalmarktorientiertes Depot eingezahlt werden. Das Geld bleibt bis zum Rentenbeginn gebunden und soll so Vermögen aufbauen. Die staatliche Förderung läuft bis zum 18. Lebensjahr. Danach kann das Depot privat weiter bespart werden. Geplant ist ein Start für 2027, die Einzahlungen sollen rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 erfolgen.
Fotos: Adobe Stock, Midjourney

