Deka-Chefvolkswirt: „Kryptowährungen sind nur etwas für Pioniere“

Der Kurs des Bitcoin erreichte 2025 Rekordhöhen, knickte dann aber wieder ein. Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, erläutert, warum Anleger einen Einstieg jetzt gut überlegen sollten und welche Vorteile die Kryptotechnologie insbesondere für den Finanzsektor bietet. Das Interview führte Thomas Luther.

S-Quin: Wie erklären Sie sich die Kursrallye des Bitcoins im Jahr 2025?
Kater: Ich kann da nur spekulieren. Der Bitcoin ist gerade mal 15 Jahre alt und hat an den Finanzmärkten seit seiner Entstehung einen Exotenstatus. Daher ist wenig bekannt darüber, welche Faktoren ihn treiben. Man wird beobachten müssen, wie sich diese und andere Kryptowährungen weiter entwickeln werden, etwa in Phasen ausgeprägter Börsenturbulenzen oder starker konjunktureller Unsicherheiten. Zurzeit ist es so, dass sich viele Menschen für den Bitcoin interessieren, weil die Kurse steigen. Das geht erfahrungsgemäß aber nicht unendlich so weiter. Gut möglich, dass das Ganze eine Blasenbildung ist. Aber es kann sein, dass wir erst am Anfang der Entstehung dieser Blase sind.

„Bitcoin korreliert kurzfristig mehr mit Technologieaktien als mit Gold“

S-Quin: Welche Chancen sehen Sie denn für den Bitcoin in den kommenden Monaten?
Kater: Kurzfristig ist alles möglich. Aber man muss bei dieser Frage differenzieren. Der Bitcoin stellt zweifellos eine Kryptoinnovation dar. Als Währung mit Transaktionsfunktion ist er jedoch wenig geeignet. Er ist höchstens ein Wertaufbewahrungsthema, anfangs eher für Liebhaber, nun mehr und mehr für Leute, die sich eigentlich nicht viel mit dem Thema befassen, sondern die tolle Performance aus der Vergangenheit sehen und sich denken: Das geht so weiter. Es gibt noch andere Kryptowährungen, die klassischen Zahlungsverkehrsinstrumenten den Rang ablaufen könnten – etwa Stablecoins, die aktuell sehr viel Aufmerksamkeit bekommen haben, weil sie einen praktikableren Ansatz verfolgen, um die Kryptotechnologie für die reale Wirtschaft zu verwenden.

S-Quin: Dem Bitcoin eilt der Ruf voraus, ähnlich inflationssicher zu sein wie Gold. Viele sehen in ihm eine Art digitales Edelmetall. Teilen Sie diese Meinung?
Kater: Gold und Bitcoin zeigten 2025 in der Tat eine starke Performance. Die Unterstützer des Bitcoins sehen sich damit bestätigt, denn sie argumentieren: Er ist technisch bedingt nicht beliebig vermehrbar – ähnlich wie Gold, selbst wenn der praktische Nutzen begrenzt ist. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Bitcoin unterstützen diese Story vom Goldersatz allerdings nur bedingt. Bitcoin korreliert kurzfristig mehr mit Technologieaktien als mit Gold. In riskanten Marktphasen gehen die Kurse eher zurück, bei Schönwetterperioden steigt der Bitcoin an. Hätte der Bitcoin die gleiche Bedeutung wie Gold, müsste er sich andersherum verhalten. Das spricht dagegen, Bitcoin als Ersatz für Gold zu sehen, was nicht heißen soll, dass sich eine Sicherer-Hafen-Funktion nicht noch herausbilden kann. Der schlimmste Schock für Bitcoin wäre eine Veränderung der technologischen Rahmenbedingungen, etwa die Möglichkeit, mit größerer Rechenkapazität eine Entschlüsselung der Transaktionen vornehmen zu können.

S-Quin: Wie stark beeinflussen gesetzliche Rahmenbedingungen – etwa die EU-Regulierung – die Sicherheit und Attraktivität von Kryptoanlagen für Privatanleger?
Kater: Die Regulatorik betrifft vor allem den Verbraucherschutz. Da, wo es um die Vermögensaufbewahrung geht, sind aus meiner Sicht neue Ansätze wie etwa Kryptokonzepte adäquat zu regulieren – so wie das mit anderen Anlageprozessen der Fall ist. Ich sehe nicht, dass eine Basisregulierung die Kryptotechnologie hemmt. Die Kryptoinstrumente genießen in jedem Fall nicht die Förderung physischer Währungen, die Staaten als Standard etwa für Zahlungen definieren. Das wird immer ein Nachteil bleiben. Ich sehe aber jetzt nicht, dass dadurch die Verwendung von Kryptowährungen entscheidend zurückgedrängt wird. Wer sie erwerben möchte, kann das über immer mehr Instrumente und Anbieter tun.

„Wenn Krypto, dann eine ganz geringe Beimischung“

S-Quin: Wenn ein Privatanleger Sie fragen würde, ob er 1 Prozent seines Portfolios in Bitcoin investieren soll: Was würden Sie ihm antworten?
Kater: Bitcoin und vielleicht die eine oder andere Kryptowährung sollten eher einen Satellitenstatus im Portfolio haben. Das heißt: wenn, dann eine ganz geringe Beimischung. Kryptowährungen bleiben, wie eingangs gesagt, bis auf Weiteres eine exotische Anlagemöglichkeit für Liebhaber. Nebenbei sollte man jedoch immer verfolgen, wie sich die Kryptowelt verändert.

S-Quin: In klassischen Depots der Deka spielen Bitcoin und Co. bislang keine Rolle. Aber Ihr Haus nutzt die Technologie für einzelne Prozesse. Mit welchen Erfahrungen?
Kater: Wir setzen sie beispielsweise bei Emissionen von Wertpapieren, etwa dem digitalen Sparkassenbrief, ein. Die Erfahrungen sind bislang gut. Prozesse werden einfacher, schneller und damit kostengünstiger – was auch unsere Kunden spüren. Aber wie überall bei diesen Netzwerktechnologien müssen größere Verbünde geschaffen werden, um die Effizienzvorteile auszurollen. Als Wertpapierhaus machen wir den Sparkassen Angebote, mitzumachen, um auszuprobieren, wie die Effekte sind.

Ulrich Kater: „Bitcoin und vielleicht die eine oder andere Kryptowährung sollten eher einen Satellitenstatus im Portfolio haben.“

S-Quin: Wie lang wird die Sturm-und-Drang-Phase der Kryptowährungen andauern?
Kater: Wir befinden uns in der Phase des mehr oder weniger kontrollierten Ausprobierens. Die Technologie hat auf jeden Fall Potenzial und wird viele Prozesse verändern können – gerade im Finanzsektor, aber nicht nur dort. Das Ganze geht nicht über Nacht, denn wir haben ja auch heute etablierte und gut funktionierende Systeme, die durch neue sichere Formen der Informationsübertragung nur dann abgelöst werden, wenn sich diese neuen Systeme in allen Lagen bewährt haben. Unbestritten ist, dass die Kryptotechnologie stetig Fortschritte machen wird. Die bisherige Experimentierphase dauert ja erst einige wenige Jahre. Wenn wir uns in zehn Jahren unterhalten, werden mit Sicherheit deutlich mehr Funktionen im Einsatz sein.

Zur Person: Ulrich Kater

Der Chefvolkswirt und Leiter des Teams Makro Research der ­Deka begann seine ­Karriere an der Universität seiner Heimatstadt Göttingen und promovierte 1995 in Köln. Seit 1999 arbeitet Ulrich Kater bei der Fondsgesellschaft der Sparkassen-Finanzgruppe. Er trieb dort maßgeblich den Aufbau der volkswirtschaftlichen Abteilung voran und übernahm 2004 deren Leitung. Zuvor war der 61-Jährige im Stab der fünf Wirtschaftsweisen für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich gewesen.

Fotos: Deka

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