Sonnenverwöhnt, schneesicher und im wahrsten Sinne sagenhaft: Südtirol gehört zu den attraktivsten Skigebieten Europas – was vor allem der Mischung aus urwüchsiger Bergromantik und italienischem Flair geschuldet ist.
Text: Yorca Schmidt-Junker
1200 Pistenkilometer, 450 Liftanlagen und bis zu 2500 Sonnenstunden im Jahr: Südtirol trumpft mit Rekorden auf, wenn es um den Alpinsport geht. Der Verbund Dolomiti Superski gilt nicht nur als größtes zusammenhängendes Skigebiet der Welt; mit der höchsten Burgendichte und dem ältesten Weinstock Europas überzeugt die autonome Provinz Südtirol auch Kultur- und Kulinarikfans. Die Mischung aus alpiner Landschaftsromantik und mediterranem Lifestyle in Städten wie Bozen und Meran ist einzigartig.
„Dank der Gletscherskigebiete und allgemein sehr hoch gelegener Pisten beginnt die Skisaison hier bereits im Spätherbst“, erklärt Clara Dibiasi vom Tourismusverband Gröden. Der Umweltaspekte in Zeiten des Klimawandels ist man sich durchaus bewusst und setzt verstärkt auf Nachhaltigkeit. „Viele Gemeinden und mit ihnen die Pistenbetreiber, Hoteliers und Gastronomen achten auf Ressourcenschonung, sanfte Mobilität und klimafreundliche Energiegewinnung durch Fernwärme und Wasserkraft“, ergänzt sie. Zudem werden in vielen Gebieten ausschließlich Pistenraupen und Schneekanonen mit KI-basierter Steuerung eingesetzt, die nur da wirken, wo es nötig ist.
Drei Zinnen und Kronplatz
Doch welches der zahlreichen Südtiroler Skigebiete eignet sich für wen am besten? „Für ambitionierte Fahrer empfehle ich die Drei Zinnen im Oberpustertal“, erklärt der lokale Skiguide Rafael Kerschbaumer. „Hier warten anspruchsvolle Abfahrten inmitten einer atemberaubenden Naturkulisse.“ Rund um die ikonische Felsformation Drei Zinnen, die zum Instagram-Crush avanciert ist, locken 115 Pistenkilometer, traumhafte Blicke über das Unesco-Welterbe Dolomiten und die mit 71 Prozent Gefälle steilste Abfahrt des Landes, die berüchtigte Holzriese.

Ebenfalls gut geeignet für fortgeschrittene Skifahrer ist Kronplatz zwischen Bruneck, St. Vigil und Olang. Das dortige Skigebiet punktet mit den Black Five, also gleich fünf schwarzen Pisten, hält im unteren Bereich aber auch für Anfänger und Familien Pistenglück bereit.
Wer Schnee mit Kulturanbindung schätzt, ist hier ebenfalls gut aufgehoben. In fast 2300 Meter Höhe thront auf dem Kronplatz das vom Architekturbüro Zaha Hadid entworfene Messner Mountain Museum Corones mit Schwerpunkt Alpinismus. Flankiert wird es vom Bergfotografiemuseum Lumen mit dem Restaurant Alpinn von Starkoch Norbert Niederkofler.
Wedeln und schlemmen in Alta Badia
Den Anspruch der hohen Gastlichkeit verfolgt ebenso das Skigebiet Alta Badia. Beliebt wegen seiner idyllischen Bergpanoramen, zu deren Highlights die Kulisse des rund 2700 Meter hohen Sassongher zählt, wedelt, kurvt und carvt man auf rund 130 Pistenkilometern. Dank saisonaler Events wie der Gourmet-Skisafari, bei der auf ausgewählten Berghütten Kreationen von Sterneköchen kredenzt werden, gilt Alta Badia als kulinarisches Zentrum der Dolomiten. Zu den Spezialitäten gehören zum Beispiel Panicia, eine gehaltvolle Gerstensuppe, die mit Spinat gefüllten und in Öl ausgebackenen Teigtaschen Tutres sowie Bales da cioce, Knödel, die mit dem berühmten Südtiroler Speck gefertigt werden.
Das ebenfalls in Alta Badia ausgerichtete Wein-Event „Sommelier auf der Piste“ präsentiert heimische Gewächse wie den Blauburgunder oder den Lagrein, eine autochthone Südtiroler Rebsorte mit Aromen von dunkler Schokolade, Pflaume und Lakritz. Wer seine Kenntnisse über die regionalen Weine vertiefen möchte, sollte unbedingt einen Besuch bei Hüttenwirt Markus Valentini einplanen. In seiner Ütia – wie die Hütten hier genannt werden – namens Bioch lagern auf 2000 Meter Höhe rund 13.000 Flaschen Wein. Rund 80 Prozent davon sind heimische Erzeugnisse. „In dieser Höhe kann man Weine viel länger lagern, sie altern deutlich langsamer“, so Valentini.
Für Familien: Reinswald und Klausberg
Die kleineren Skigebiete wie Reinswald bei Bozen oder Klausberg im Tauferer Ahrntal sind für Familien bestens geeignet. Aufgrund breiter Pisten, einer guten Überschaubarkeit und allgemein weniger Gefälle bieten sie Fahrspaß und Sicherheit. Zudem gibt es kaum Wartezeiten an den Liften und nur wenige Snowboarder, die mit ihrem Tempo für Kinder oft ein Risiko darstellen. Die Kleinsten werden auf sogenannten Zauberteppichen spielerisch zum Skisport animiert und können in kindgerechter Umgebung ihre Fertigkeiten verfeinern.

Reinswald eignet sich ferner für passionierte Langläufer, die sich an der meditativen Landschaft am Fuß der Sarntaler Alpen erfreuen, sowie für Rodelliebhaber. Die treffen sich hier gern in Vollmondnächten, um die Hänge der Reinswalder Wiesen im mystischen Nachtambiente hinabzusausen.
Nachhaltigkeit ist Trumpf im Eggental
In puncto Nachhaltigkeit überzeugt vor allem das Eggental mit dem Skigebiet Carezza. „Diese beiden Gebiete wurden bereits mit Nachhaltigkeitszertifikaten ausgezeichnet und gehen mit gutem Beispiel voran, wenn es um saubere Energiegewinnung und umweltschonende Verkehrslösungen geht“, erzählt Clara Dibiasi. So verfügt Eggental mit der Eggental Mobil Card über ein Verkehrssystem, das Besucher und Einheimische per Elektrobus zu Wanderwegen und Liftanlagen transportiert. Die bekommen im Schatten des imposanten Gipfeltrios aus Rosengarten, Latemar und Schlernmassiv dann auch skitechnisch allerhand geboten, denn mit der Paolina-Abfahrt bei Carezza locke eine der „landschaftlich spektakulärsten Pisten Südtirols“, so Kerschbaumer.
Allgemein gilt die Gegend als klein, aber fein und firmiert als eine der urigsten und romantischsten. So verzaubert das Enrosadira-Phänomen, das die Gipfel der Rosengartenkette bei Sonnenuntergang in Rosarot- und Violetttöne taucht, selbst hartgesottene Pragmatiker. Der Legende nach geht das Naturspektakel auf den Zwergenkönig Laurin zurück, der seinen Rosengarten mit einem Fluch der Unsichtbarkeit bei Tag und Nacht belegte – wobei er die Dämmerung vergaß. Das ist nur eine der vielen Sagen und Mythen, die sich rund um Südtirol ranken. Und genau das macht Italiens nördlichste Provinz einmal mehr zum Sehnsuchtsziel für Wintersportler und Genießer.

Stadtperlen in Südtirol
Neben Bozen und Meran punktet Südtirol auch mit einigen kleineren Orten, die einen Besuch lohnen.
So betört die historische Fuggerstadt Sterzing mit einem mittelalterlichen Kern aus prachtvollen, erkergeschmückten Bürgerhäusern, gotischen Kirchen und dem imposanten Zwölferturm. Vor den Stadttoren thront mit der Burg Reifenstein zudem ein echtes Südtiroler Wahrzeichen.
Nicht minder ansprechend präsentiert sich Bruneck im Herzen des Pustertals. Hier lockt eine der schönsten Flaniermeilen Südtirols, während das Stadtmuseum mit einer hochfeinen Kunstsammlung aufwartet. Nicht zu vergessen natürlich Brixen, eine der ältesten Städte des alten Tirols. Das mittelalterliche Sonnentor, die Hofburg im Renaissancestil und der prunkvoll mit Marmor ausgestattete Barockdom spannen einen Bogen über die Bau- und Architekturgeschichte Brixens. Und im legendären Hotel Elephant kann man in einem der ältesten Gasthäuser Europas nächtigen.
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