Wer ein Haustier hat, muss schon bei der Urlaubsplanung eine zusätzliche Frage beantworten: Kommt der Vierbeiner mit? Vor allem Hunde sind oft begeisterte Reisebegleiter. Für Katzen kann dagegen das vertraute Zuhause die bessere Wahl sein. Wer gemeinsam verreisen möchte, sollte Ziel, Anreise und Unterkunft auf die Bedürfnisse des Tiers abstimmen.
Die Koffer sind gepackt, die Unterkunft ist gebucht – fehlt nur noch das Haustier. Für viele Hundehalter steht ohnehin fest: Der Vierbeiner gehört auch im Urlaub dazu. Doch eine Reise, die dem Menschen Erholung verspricht, muss für das Tier noch lange kein Vergnügen sein. Hitze, eine lange Anfahrt, fremde Räume und ein ungewohnter Tagesablauf können Stress verursachen. Deshalb beginnt der Urlaub mit Haustier nicht mit der Frage nach dem schönsten Hundestrand, sondern mit einer grundsätzlicheren Überlegung: Passt diese Reise zu meinem Tier?
Nicht jedes Tier möchte die Welt entdecken
Ein Ferienhaus an der Nordsee, Wanderungen in den Alpen oder ein Campingurlaub lassen sich mit vielen Hunden gut vereinbaren. Anders sieht es womöglich bei einem Städtetrip mit Museumsbesuchen oder einer Flugreise auf einen anderen Kontinent aus.
Die Tierschutzorganisation Tasso empfiehlt deshalb, die Reise nicht nur aus menschlicher Perspektive zu betrachten. „Ein gemeinsamer Urlaub ist für viele Tiere ein Kompromiss“, sagt Lisa Borchard, Tierärztin und Leiterin des Projekts Verantwortungsvolle Tierhaltung bei Tasso in einer Pressemitteilung. Hunde und Katzen liebten Routinen und ihren Alltag. Sie profitierten zwar davon, bei ihren Menschen zu sein, aber nicht automatisch davon, neue Orte kennenzulernen.

Alter, Gesundheitszustand und Charakter des Tieres spielen ebenfalls eine Rolle. Ein ängstlicher Hund, der schon kurze Autofahrten kaum erträgt, wird eine zwölfstündige Fahrt ans Mittelmeer wahrscheinlich nicht plötzlich genießen. Und große Hitze kann eine zusätzliche Belastung sein.
Noch deutlicher ist die Abwägung bei Katzen. Die meisten sind stärker an ihr Revier gebunden als Hunde. Tasso rät deshalb, Katzen häufig in ihrer vertrauten Umgebung zu lassen und dort betreuen zu lassen. Anders kann es bei Tieren aussehen, die bereits von klein auf an Reisen gewöhnt sind.
Wer ohne sein Tier verreist, sollte die Betreuung frühzeitig organisieren. Vertraute Personen, die Hund oder Katze bereits kennen, sind häufig eine gute Lösung. Alternativ kommen professionelle Tiersitter oder Tierpensionen infrage. Eine Pension sollte man möglichst vorher besichtigen und klären, wie die Tiere dort untergebracht und betreut werden.
Erst das Tier, dann das Reiseziel
Soll der Vierbeiner mit, lohnt sich bei der Urlaubssuche ein Perspektivwechsel. Nicht nur die Frage „Wo möchten wir hin?“ zählt, sondern auch: „Was können wir dort gemeinsam unternehmen?“ Für Hunde eignen sich beispielsweise Reiseziele mit viel Natur, Spazierwegen und ausreichend Auslauf. Auch örtliche Temperaturen und die Anfahrtsdauer sollten eine Rolle spielen. „Viele Faktoren spielen eine Rolle, allem voran natürlich das gewählte Reiseziel und hier die Entfernung, das Klima bis hin zu Tierärzten vor Ort“, schreibt der ADAC in seinem Ratgeber zum Urlaub mit Hund.
Ebenso genau sollte man die Unterkunft prüfen. Kostet das Tier einen Aufpreis? Gibt es Beschränkungen nach Größe oder Anzahl? Darf der Hund mit ins Restaurant? Kann er für kurze Zeit allein im Zimmer bleiben? Gibt es eine eingezäunte Fläche? Und wie weit ist der nächste Park oder Hundestrand entfernt? Solche Fragen lassen sich besser vor der Buchung klären als an der Rezeption.
Ohne Papiere keine Europareise
Bei Auslandsreisen kommen Formalitäten hinzu. Für Reisen mit Hund, Katze oder Frettchen innerhalb der Europäischen Union wird grundsätzlich ein EU-Heimtierausweis benötigt. Das Tier muss eindeutig gekennzeichnet sein – in der Regel mit einem Mikrochip – und einen gültigen Tollwutschutz besitzen. Die Chipnummer und die Impfung werden im Heimtierausweis dokumentiert.
Wer ein Tier erstmals gegen Tollwut impfen lässt, muss außerdem die vorgeschriebene Frist bis zum wirksamen Impfschutz berücksichtigen. Und einzelne Staaten haben zusätzliche Vorgaben. Deshalb sollte man die Bestimmungen des Reiselandes rechtzeitig vor der Abfahrt kontrollieren.
Bei Reisen außerhalb der EU ist besondere Aufmerksamkeit nötig: Je nach Land können Tiergesundheitsbescheinigungen oder weitere Nachweise verlangt werden. Auch die Bedingungen für die Wiedereinreise nach Deutschland sollten bereits vor der Abreise geprüft werden. Sinnvoll ist außerdem, den Mikrochip nicht nur einsetzen zu lassen, sondern das Tier bei einem Heimtierregister zu registrieren und vor der Reise zu prüfen, ob Telefonnummer und Adresse noch stimmen.
Auto: flexibel, aber sicher
Für viele Hunde ist das Auto das unkomplizierteste Verkehrsmittel. Pausen lassen sich selbst bestimmen, Futter ist schnell zur Hand und die Umgebung ist dem Tier meist vertraut. Trotzdem gehört ein Hund nicht ungesichert auf die Rückbank. Geeignete Transportboxen, Trenngitter oder geprüfte Sicherungssysteme schützen Tier und Insassen. Der ADAC warnt in seinem Ratgeber zu Hundetransport-Systemen: „Ein ungesicherter oder falsch gesicherter Hund erhöht bereits bei einem heftigen Ausweich- oder Bremsmanöver das Verletzungsrisiko für Mensch und Tier deutlich.“

Bei längeren Strecken sollten regelmäßige Pausen eingeplant werden. Der ADAC empfiehlt bei Fahrten mit Hund spätestens alle zwei bis drei Stunden eine Unterbrechung. Wasser sollte griffbereit sein. An heißen Tagen gilt zudem eine besonders wichtige Regel: Ein Tier gehört nicht allein in ein abgestelltes Auto.
Bahn: Kleine Tiere reisen kostenlos
Auch der Zug kann eine gute Alternative sein – vor allem, wenn der Hund entspannt Bahn fährt. Bei der Deutschen Bahn dürfen kleine Hunde und andere Haustiere bis zur Größe einer Hauskatze kostenlos mitfahren, sofern sie in einem geeigneten geschlossenen Transportbehälter untergebracht sind.
Für größere Hunde wird eine eigene Fahrkarte benötigt. Sie kostet grundsätzlich die Hälfte des regulären Fahrpreises. Hunde außerhalb einer Transportbox müssen angeleint sein und einen Maulkorb tragen. Einen eigenen Sitzplatz können sie nicht reservieren. Wer mit dem Zug ins Ausland fährt, sollte die Bedingungen für die gesamte Verbindung prüfen. Je nach Zielland, Zugbetreiber und Zugart können andere Regeln gelten.
Flugzeug: gut überlegen
Komplizierter wird es beim Fliegen. Bei der Lufthansa dürfen kleinere Hunde und Katzen unter bestimmten Voraussetzungen in der Kabine reisen. Tier und Transportbehälter dürfen zusammen nicht mehr als acht Kilogramm wiegen. Größere Hunde und Katzen können je nach Rasse und weiteren Voraussetzungen im klimatisierten Frachtraum transportiert werden. Die Tiere müssen vorher angemeldet werden; für einzelne Rassen gelten Sonderregelungen.
Wer fliegen möchte, sollte deshalb schon vor der Flugbuchung die Regeln der jeweiligen Airline prüfen. Ein Tier nachträglich einfach zur bestehenden Buchung hinzuzufügen, ist nicht immer möglich.
Im Urlaub den Alltag nicht ganz vergessen
Endlich angekommen – und nun jeden Tag Programm? Für das Tier muss das nicht ideal sein. Gerade nach einer langen Anreise kann zunächst Ruhe wichtiger sein als der erste Ausflug. Auch während des Urlaubs lohnt sich der Blick auf gewohnte Verhaltensweisen. Frisst und trinkt das Tier normal? Möchte es spielen? Sucht es wie zu Hause Kontakt? Findet es ausreichend Schlaf?
„Vor allem das Ruheverhalten ist ein wichtiger Indikator“, sagt Tasso-Tierärztin Lisa Borchard. Hunde und Katzen ruhen viele Stunden täglich. Auch unterwegs sollte es deshalb Rückzugsmöglichkeiten und genügend Zeit zum Entspannen geben.
Das gehört ins tierische Reisegepäck
- Dokumente: EU-Heimtierausweis beziehungsweise notwendige Einreisedokumente, Impfunterlagen und Versicherungsinformationen.
- Futter und Wasser: Möglichst das gewohnte Futter mitnehmen.
- Ausrüstung: Näpfe, Leine, Geschirr, gegebenenfalls Maulkorb, Transportbox, Decke, Handtuch, Kotbeutel und Lieblingsspielzeug.
- Gesundheit: Regelmäßig benötigte Medikamente sowie eine kleine Reiseapotheke. Vor der Abreise kann es sinnvoll sein, die Kontaktdaten einer Tierarztpraxis am Urlaubsort zu speichern.
- Für den Notfall: Aktuelle Kontaktdaten am Halsband oder Geschirr und eine Registrierung des Mikrochips in einem Heimtierregister.
Gut abgesichert auf Reisen
Auch beim Urlaub mit Haustier lohnt sich ein Blick auf den Versicherungsschutz. Kundinnen und Kunden der Sparkasse Neuss können über die S-Vorteilswelt einen Haustierschutz als zusätzliche Absicherung buchen. Welche Leistungen im Einzelnen eingeschlossen sind, regeln die jeweiligen Versicherungsbedingungen. Darüber hinaus sollte bei Hunden geprüft werden, ob eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung besteht und ob sie auch Schäden im Ausland beziehungsweise in einer Ferienunterkunft abdeckt. Die Sparkasse Neuss arbeitet im Versicherungsbereich unter anderem mit der Provinzial Rheinland zusammen.
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