Ein Sturz, ein Kollaps, und das Telefon ist nicht in erreichbarer Nähe: Für solche Situationen gibt es Notrufdienste. Sie helfen Älteren und Behinderten, weiter daheim zu leben.
Text: Daniela Eckstein
Auch im Alter selbstständig zu bleiben, aber sofort Unterstützung zu bekommen, wenn man umkippt oder der Kreislauf versagt: Das wünschen sich viele und nutzen deshalb die Angebote von Notrufzentralen. Die sind rund um die Uhr besetzt und organisieren schnelle Hilfe. Rund 1,2 Millionen Menschen sind laut Bundesverband Hausnotruf an solch einen Service angeschlossen. Hinzu kommen neue Anbieter, etwa Hersteller von Smartwatches. Aber auch die Angebote klassischer Hilfsdienste wie Malteser, Johanniter, DRK, Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Caritas, Diakonie und Arbeiterwohlfahrt oder von Firmen wie Libify, Vitakt oder Sonotel werden vielseitiger.
Die Vorteile des Hausnotrufs: Mit nur einem Druck auf den Knopf, den man am Handgelenk oder Halsband trägt, erreicht man nach wenigen Sekunden eine Notrufzentrale. Eine Basisstation mit Mikrofon und Lautsprecher stellt via Telefonanschluss oder Mobilfunk den Kontakt zu den Helfern her, mit denen man quer durch die Wohnung sprechen kann.
Die Notrufzentralen kennen die Vorerkrankungen jedes Kunden und können schnell entscheiden, ob es sich um einen medizinischen Notfall handelt. Wenn ja, wird sofort der Krankenwagen gerufen. „Doch meistens ist die Person nur hingefallen, hat sich nicht wirklich verletzt und kommt allein nicht mehr auf die Beine“, so Jens Kremer, Leiter Notrufsysteme des ASB für Düsseldorf, Krefeld und den Rhein-Kreis Neuss.
Bereitschaftsdienst rund um die Uhr
Wer in einem solchen Fall helfen soll, entscheidet der Kunde selbst. Das können vorher festgelegte Angehörige, Nachbarn, Freunde oder ein Pflegedienst sein, der von der Notrufzentrale angerufen wird. Bei dieser Regelung kostet der Hausnotruf bei allen Anbietern 27 Euro netto pro Monat. Viele Kunden erhalten diesen Basisdienst sogar zum Nulltarif, denn die Kassen bezuschussen sämtliche Hausnotrufvarianten mit diesem Betrag, wenn ein Pflegegrad vorliegt und die pflegebedürftige Person allein lebt.

Wer zusätzlich einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst nutzen möchte, den aber nicht alle anbieten, zahlt zwischen 25 und 40 Euro extra. Dafür soll ein Soforthelfer des Notrufanbieters nach maximal 30 Minuten vor Ort sein. „Wenn keine zuverlässig erreichbare Vertrauensperson in der Nähe wohnt, ist das die bessere Wahl“, sagt Kremer. Die Wohnungsschlüssel werden meist beim Bereitschaftsdienst hinterlegt. Im Preis sind je nach Anbieter verschiedene Extras enthalten: eine App für Angehörige, das Erkennen von Rauchentwicklung oder die Tagestaste. Wenn man sich nicht einmal täglich per Knopfdruck meldet, wird die Notrufzentrale aktiv.
Mobile Lösungen mit Ortung und Sturzerkennung
Zunehmend beliebt sind mobile Varianten, die es bei einigen Anbietern gibt, zum Beispiel beim ASB Düsseldorf ab 17 Euro Aufpreis. Damit kann der Notrufservice sowohl zu Hause als auch bei Spaziergängen oder sogar auf Reisen in Deutschland helfen – mit oder ohne Bereitschaftsdienst. Neben der Ladestation, die in der Wohnung bleibt, gibt es für unterwegs ein tragbares Gerät mit Mikrofon und Lautsprecher, über das man mit der Notrufzentrale kommunizieren kann. Für guten Empfang sorgt eine SIM-Karte, mit der man sich stets in das Mobilfunknetz einwählt, das am Aufenthaltsort am stärksten ist.

Der große Vorteil der Funktechnik: Der Notrufdienst kann den Standort des Kunden über GPS orten und eine Person sogar bei einsamen Waldspaziergängen finden. Eine weitere Innovation ist die Sturzerkennung, die meist 10 bis 15 Euro extra kostet. Ein Sensor im Notfallknopf meldet schnelle Fallbewegungen und löst Alarm aus, wenn nach 30 Sekunden oder einer Minute kein Aufstehen oder Aufheben stattfindet.
Hausnotruf oder Smartwatch?
Als Alternative zum mobilen Hausnotruf gibt es Smartwatches, die man im Sortiment von Mobilfunk-unternehmen und im Internet als spezielle Notrufarmbänder für Senioren findet. Auch mit ihnen kann man vorab gespeicherte Nummern per Knopfdruck anfunken. Allerdings ist der Leistungsumfang von Modell zu Modell sehr unterschiedlich. Nicht immer sind Ortung und Sturzerkennung möglich. Manche Geräte messen Blutdruck und Puls, was im Notfall aber nicht hilft. Andere bieten gegen eine Abogebühr auch eine Verbindung zur Notfallzentrale an.
Diese Smartwatches muss der Kunde selbst kaufen; Angebote gibt es ab 90 Euro. Beim Hausnotruf hingegen werden die Geräte immer leihweise zur Verfügung gestellt und gewartet. Auch eine Kassenzulassung haben die Smartwatch-Angebote in der Regel nicht, sodass pflegebedürftige Kunden keinen Zuschuss zu den monatlichen Kosten erhalten.
Und auch wenn viele digitale Armbänder smart wirken: Stefan Dietzel, Vorsitzender des Bundesverbands Hausnotruf, ist davon überzeugt, dass sie mit einem klassischen Notrufsystem nicht vergleichbar seien. Dessen Vorteile, so Dietzel: „Alle Hausnotruf-Geräte, auch die mobilen, sind einfach zu handhaben, und für ihre Einrichtung und Wartung gibt es umfassenden Service.“ Nicht zuletzt verfügen die Anbieter über hochprofessionelle 24-Stunden-Notrufzentralen und vielerorts über einen Bereitschaftsdienst.

Genau vergleichen
Nicht für jeden passen alle Notrufangebote. Daher sollte man einige Details beachten.
Unterschiede finden sich nicht nur zwischen den Anbietern, sondern auch von Region zu Region. Auf dem Land etwa bieten längst nicht alle Unternehmen einen Bereitschaftsdienst an. Daher sollte man sich bei den lokalen Niederlassungen der Notfalldienste nach dem genauen Leistungsumfang und den technischen Details der Geräte erkundigen. Wichtig ist auch, ob die Anbieter die Inbetriebnahme der Geräte beim Kunden vornehmen oder ob man das selbst machen muss. Zudem ist auf Mindestlaufzeiten zu achten und wie die Konditionen bei einem Umzug aussehen. Häufig werden einmalige Einrichtungsgebühren verlangt, und manchmal sind Einsätze des Bereitschaftsdiensts extra zu vergüten.
Fotos: Adobe Stock, Libify/PR
„Der Hausnotruf bietet 24-Stunden-Hilfe an: mit Notrufzentralen und Bereitschaftsdiensten“

