Märchenhafte Bilderwelten im Feld-Haus

„Es war einmal…“ – diesen Worten wohnt ein Zauber inne. Kaum vernommen, steigen vor unserem geistigen Auge Märchengestalten wie der Gestiefelte Kater, Rotkäppchen oder Schneewittchen auf. Das Feld-Haus, eine der Populären Druckgrafik gewidmete Dependance des Clemens Sels Museums Neuss, stellt seit dem 23. Oktober insgesamt 60 Märchenbilder aus dem 19. Jahrhundert aus.

Text: Gunnar Erth

Herrmann Vogel schuf diesen Münchener Bilderbogen mit Schneewittchen um 1889/90. Foto: Martin Langenberg

Spannende Abenteuer, verzauberte Prinzen und sprechende Tiere: Die fantastischen und zuweilen gruseligen Geschichten – etwa der Brüder Grimm – bieten bis heute jede Menge Unterhaltung und bergen oft einen lehrreichen Kern. Reich bebilderte Märchenerzählungen erfreuten sich daher schon lange vor der Verbreitung von Comics großer Beliebtheit. Darunter insbesondere die zahlreichen Märchendarstellungen, die zwischen 1848 und 1898 als „Münchener Bilderbogen“ erschienen.

Auch Sammelkarten mit Märchenmotiven aus aller Welt, wie etwa den Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“, waren heiß begehrt. Sie wurden in speziellen Alben gesammelt und waren damit die Vorläufer der heute noch immer beliebten Stickeralben. Heute kaum mehr vorstellbar, waren diese Druckerzeugnisse im 19. Jahrhundert oft die einzigen farbigen Bilder, die viele Menschen besaßen.

Umfangreiches Begleitprogramm

Das Plakat zur Ausstellung zeigt ein Motiv von Hermann Vogel, entstanden 1890/91. Foto: Martin Langenberg

Die rund 60 Exponate laden Besucherinnen und Besucher zu einer Reise durch die wunderbaren Märchenwelten der Sammlung des Feld-Hauses ein und geben mit gezielt ausgewählten Exponaten zudem einen Ausblick auf aktuelle Märchenadaptionen. Mit Familienführungen, einem bunten Programm zum „Tag des Märchens“ am 26. Februar 2023 und der Challenge der Märchendetektei „Klamm & Heimlich“ gibt es zudem ein breites familienfreundliches Begleitprogramm.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 12. März 2023 immer samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Das Feld-Haus ist eine Dependence des Clemens Sels Museums Neuss. Es befindet sich auf dem Kirkeby-Feld zwischen Museum Insel Hombroich und Raketenstation Hombroich. Die Adresse: Berger Weg 5, 41472 Neuss. Weitere Informationen und Ameldung zum Veranstaltungsprogramm: www.clemens-sels-museum-neuss.de.

 

„Märchen – wer mag sie nicht?“

Das S-Quin-Magazin sprach mit Anita Hachmann, stellvertretende Museumsdirektorin des Clemens Sels Museums Neuss und Kuratorin der Ausstellung.

Das „Es war einmal…“-Team. Von links nach rechts: Anita Hachmann, Lena de Bruin und Museumsdirektorin Uta Husmeier-Schirlitz.

Frau Hachmann, die Ausstellung ist erst wenige Tage alt. Wie läuft sie?
Sehr gut.  Das erste Besuchswochenende war ein voller Erfolg. Und unser Ziel haben wir erreicht: dass die Besucher wieder eintauchen können in die Märchenwelt und viele Kindheitserinnerungen wieder präsent werden.

Das heißt, die Besucher kommen miteinander ins Gespräch?
Genau. Bei der Eröffnung sprachen die Besucher angeregt über ihre Lieblingsmärchen und die Menschen, mit denen sie sie verbinden. Interessanterweise wurde auch über das Sammeln gesprochen. Ich habe mich etwa mit einer Dame über unsere ersten Stickeralben unterhalten. Sie hat Aufkleber zu Disneys „Bernhard und Bianca“ gesammelt, ich zu „Ariel die Meerjungfrau“.

Was gab den Anstoß für die Ausstellung?
Wir machen im Feld-Haus zwei Ausstellungen im Jahr: im Frühjahr zu zeitgenössischer Kunst und im Herbst zu klassischer populärer Druckgrafik. Bei der Auswahl der Themen achten wir darauf, dass sie viele Menschen ansprechen, dass gerade auch Kindheits- und Jugenderinnerungen im Fokus stehen – die Ausstellungen „Me as Mickey Mouse. Rock- und Popstars von John Lennon bis Udo Lindenberg zeichnen“ im Frühjahr oder „Vintage Fashion“ zu Anziehpuppen 2020/21 waren nicht zuletzt deswegen ein großer Erfolg. Und das gilt für das Thema Märchen ganz besonders, denn: Märchen – wer mag sie nicht? Insgesamt haben wir mehrere hundert Exponate zum Thema Märchen in unserer Sammlung. Zum einen haben wir einen sehr großen Bestand an Münchener Bilderbögen. Diese populären Einblattholzschnitte erschienen zwischen 1848 und 1898 alle zwei Wochen im Verlag Braun & Schneider. Zu einigen der beliebtesten Themen gehörten neben Kostümdarstellungen auch Märchen. Darüber hinaus haben wir auch so manches Sammelbild, ähnlich den Panini-Bildern von heute. Diese wurden Ende des 19. Jahrhunderts richtig populär – und auch hier gab es sehr viele Märchenmotive.

„Der deutsche Märchenwald“ ist der Titel dieses Münchener Bilderbogens von Herrmann Vogel. Foto: Martin Langenberg

Wie haben Sie die 60 Exponate für die Ausstellung ausgewählt?
Es war ein aufwendiger Prozess für den Lena de Bruin, Co-Kuratorin der Ausstellung, und ich viele Märchen noch mal oder erstmals gelesen haben, denn nicht alle sind einem heute noch ein Begriff. Um den Besuchern einen guten Zugang zu geben, haben wir übrigens eine Märchen-Playlist zusammengestellt, die man über einen QR-Code abrufen und anhören kann. Die Texte sind allerdings nicht im vollständigen Original, denn hier geht es vor allem darum, sich ein bestimmtes Märchen noch einmal in Erinnerung zu rufen. Einige Texte haben wir zudem ausgelegt.

Nochmal zurück zu den „Münchener Bilderbogen“. Wie ist deren kulturhistorische Bedeutung einzuschätzen?
Sehr hoch. Dadurch, dass die Produktion von Drucken im 19. Jahrhundert sehr viel günstiger wurde, konnten sie sich viel mehr Leute leisten. Der Verlag war zudem darauf bedacht, mit namhaften Künstlern wie Wilhelm Busch oder Moritz von Schwind zusammenzuarbeiten. Die Drucke gab es in zwei Preiskategorien: günstig in Schwarzweiß oder etwas teurer in Farbe. Viele Menschen warteten immer gespannt auf das nächste Blatt. Der Hype hat erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder abgenommen. Ähnlich populär waren übrigens die Sammelbilder, die ebenfalls zu der Zeit eine rasante Erfolgsgeschichte erlebten.

Diese Rotkäppchen-Sammelkarte entstand 1884 in Chromolithographie.

Wie kam es dazu?
Die Sammelbilder gab es zum Beispiel  zu Liebigs Fleischextrakt, benannt nach dessen Entwickler dem Chemiker Justus von Liebig. Die Händler gaben die Reklamebildchen bei Kauf des Produkts aus. Über die Zeit wurden die Sammelbilder populärer als der Fleischextrakt selbst. Ab 1890 gab es dann einen richtigen Hype. Auch die Sammelalben, in die man Serien mit Hunderten von Bildern einstecken konnten, waren etwas ganz Besonderes und wurden von vielen Firmen zur Bewerbung ihrer Produkte genutzt. Wir sollten nicht vergessen: Heute sind wir verwöhnt, was bunte Bilder angeht; damals waren die Bilderbögen und Sammelkarten eine Möglichkeit, zuhause bunte Bilder für kleines Geld zu haben. Man kann sich heute kaum vorstellen, was das für die Menschen damals bedeutete.

Sie haben auch ein umfangreiches Begleitprogramm. Woraus besteht das?
Unter anderem haben wir eine Detektiv-Challenge für Kinder! Man muss der Detektei „Klamm & Heimlich“ dabei helfen, einen großen Märchenklau aufzudecken. Die Kinder müssen mehrere kleinere Herausforderungen meistern, und die beziehen sich in schön gestalteter spielerischer Form auf Exponate in der Ausstellung. Das kam bei der Eröffnung sehr gut an.

War das eine einmalige Aktion?
Nein, die Märchen-Challenge kann man immer machen, man muss sich nur an der Kasse melden. Zusätzlich kann man sich die PDF-Datei auch auf unserer Homepage runterladen. Zum Begleitprogramm gehören übrigens auch mehrere Termine mit Familienführungen. Wir sprechen mit dieser Ausstellung erstmals gezielt Familien an, weil das Thema Märchen sich dafür perfekt anbietet. Denn auch in unserer heutigen digitalen, filmischen Streaming-Welt spielt das Vorlesen von Märchen immer noch eine sehr große Rolle.

Titelfoto: Hermann Vogel, Märchenzug (1897/98), Foto: Martin Langenberg

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