Niederrhein Musikfestival lädt zur musikalischen Entdeckungsreise

Ob Wasserschloss oder Windmühle, historische Scheune oder barocker Kirchenraum – unter dem Motto „Klangräume Rheinland“ verwandelt das 22. Niederrhein Musikfestival vom 23. August bis zum 4. Oktober 2026 außergewöhnliche Orte der Region in lebendige Konzertstätten. Mit etwas Glück können Sie Tickets fürs Eröffnungskonzert gewinnen! Infos dazu finden Sie am Ende des Artikels.

In acht Konzerten beschreitet das Festival mannigfache Wege vom Barock bis zur Gegenwart. Beim Auftakt am 23. August lassen im Innenhof von Schloss Dyck bei „Sound Stories“ neun Blockflöten mit drei Harfen Werke aus sechs Ländern und fünf Jahrhunderten erklingen – von Bach bis Piazzolla.

Eine Woche später, am 30. August, erkundet das Maiburg Ensemble an gleicher Stelle mit Shai Terry die Verbindungen zwischen jüdischer und nichtjüdischer Kultur. Am 11. September verwandelt dann das Duo Anna Carewe (Cello) und Oli Bott (Vibraphon) die Rokokokirche Wickrathberg in einen Klangraum voller Überraschungen: Barock mündet in Jazz, klassische Formen öffnen sich improvisatorischen Momenten.

Das Programm „Siegel aus Rubin“ mit Shai Terry und Lena Gorelik aus dem Jahr 2024 wird dieses Mal wieder aufgeführt, um es einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Foto: Klaus Stevens

Eine Woche später, am 18. September, stellt die Neuproduktion „Into the Wild – Klang der Freiheit“ den bekannten Roman über Chris McCandless in den Mittelpunkt, der als junger Mann sein altes Leben hinter sich ließ und Richtung Alaska wanderte. Das Maiburg Ensemble spielt dazu Musik von Bach, der Schauspieler Thomas Kitsche liest, und als Sänger stellt sich Florian Gerhards vor.

Stepptanz und italienische Impressionen

Am 25. September wird die historische Scheune des Tuppenhofs in Kaarst zu einem Cabaret der Roaring Twenties: Der Pianist Florian Noack und der Stepptänzer Nikolai Kemeny beschwören mit ihrem „Scheunenzauber“ die Zeit des Charleston, Jazz und von George Gershwin. Den Abschluss des Festivals markiert am 4. Oktober der portugiesische Gitarrist Joaquim Santos Simões in der idyllischen Stammenmühle Nettetal: Von Mauro Giuliani bis Ennio Morricone, von der Opernbühne bis zur großen Kinoleinwand reicht der Bogen klingender Erzählungen.

Flankiert wird das Festivalprogramm durch Werkstattkonzerte am 29. August und 13. September in Haus Katz in Jüchen sowie durch Workshops an Schulen in Jüchen, Grevenbroich, Bedburg und Düsseldorf.

Tickets erhalten Sie bei den bekannten Vorverkaufsstellen und bei westticket.de; Karten für das Konzert im Tuppenhof gibt es unter tickets.tuppenhof.de. Weitere Informationen: www.niederrhein-musikfestival.de.

Anette Maiburg: „Ein Dankeschön an unsere Aufführungsorte“

Im Interview mit dem S-Quin-Magazin erzählt die Leiterin des Festivals, Anette Maiburg, warum sich ein Besuch lohnt und worauf sich Besucherinnen und Besucher freuen können.

Anette Maiburg leitet das Festival und spielt auch selbst mit. Foto: Harry Vorsteher

S-Quin: Ihr Festival geht bereits ins 22. Jahr – wieder mit acht anspruchsvollen Konzerten in Schloss Dyck, der Kirche Wickrathberg, dem Tuppenhof oder der Stammenmühle Nettetal.
Anette Maiburg: Ich bin sehr froh, dass es uns wieder gelungen ist, so ein schönes, anspruchsvolles Programm zu gestalten! Gerade unsere Eigenproduktionen sind sehr aufwendig. Deswegen bin ich dankbar, dass uns neben den Gemeinden, der Bezirksregierung Düsseldorf und dem Land NRW wieder private Sponsoren und die Sparkassen und ihre Stiftungen unterstützen.

S-Quin: Das Motto lautet diesmal „Klangräume Rheinland“. Warum?
Maiburg: Wir möchten damit zeigen, dass Menschen Musik anders erleben, wenn sie in einem Schloss, einer besonderen Kirche, einer historischen Scheune oder einer Mühle erklingt. Der Titel ist zugleich ein Dankeschön an unsere wundervollen Aufführungsorte.

S-Quin: Schauen Sie denn immer, dass Sie das passende Programm für den richtigen Ort finden?
Maiburg: Auf jeden Fall. Wir stimmen die Programme immer auf den jeweiligen Ort und die Akustik ab. Es gibt auch praktische Aspekte. Im Maxhaus zum Beispiel gibt es einen Flügel, den wir nutzen können. Dort ist auch die Licht- und Tontechnik ganz besonders – wie geschaffen für aufwendigere Programme, die auch davon leben, dass das Licht sie passend in Szene setzt.

S-Quin: Was ist zum Beispiel das Besondere an der Stammenmühle, wo zum Abschluss des Festivals am 4. Oktober mit „Italienische Impressionen – Gitarre im Glanz von Oper und Film“ ein Solo-Gitarrenkonzert gespielt wird?
Maiburg: Das ist ein gutes Beispiel. Die Gitarre ist ein leises Instrument mit sehr intimer, fein nuancierter Klangsprache. Diese kommt in diesem kleinen Raum, wo nur 50 Gäste Platz haben, besonders zur Geltung. Die stimmungsvolle Atmosphäre der Mühle harmoniert wunderbar mit dem warmen Klang der Gitarre.

S-Quin: Wer ist der Gitarrist?
Maiburg: Joaquim Santos Simões ist ein junger Gitarrist, der aus Portugal stammt, hier in Düsseldorf sein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen und auch schon internationale Wettbewerbe gewonnen hat. Wir haben gemeinsam überlegt, welches Gitarrenprogramm zum Festival passen könnte. Und dann hat er mir diesen sehr schönen Vorschlag gemacht!

Die Ope-Air-Konzerte in Schloss Dyck ziehen jedes Mal die meisten Besucher an. Foto: Klaus Stevens

S-Quin: Mediterrane Musik gehört ja auch immer zum Festival dazu. Etwas anderes: Bei welchen Konzerten haben Sie die meisten Zuschauer?
Maiburg: Das sind wie immer unsere beiden Open-Air-Konzerte im Hof von Schloss Dyck mit jeweils 300 Gästen!

S-Quin: Kennzeichnend für Ihr Festival ist ja die unkonventionelle Herangehensweise an Epochen und Genres von Barock bis Pop, die oft spannend miteinander verwoben werden. Und es sind wieder auch andere Kunstsparten wie Literatur, Gesang und Tanz dabei.
Maiburg: Ich höre selbst gern ein breites Spektrum an Musik. Deswegen kommen mir bei der Gestaltung der Programme spannende Assoziationen, die ich gern zulasse. Ich freue mich, wenn wir sie umsetzen können. Ein gutes Beispiel ist die diesjährige Neuproduktion „Into the Wild“ am 18. September im Maxhaus in Düsseldorf. Inspiration für das Programm ist die gleichnamige literarische Vorlage von Jon Krakauer. Die Geschichte bildet den dramaturgischen Ausgangspunkt für die Musikauswahl und eröffnet einen weiten künstlerischen Raum, in dem sich Werke unterschiedlicher Epochen und Stilrichtungen zu einem inhaltlich und emotional stimmigen Konzertprogramm verbinden lassen.

S-Quin: Worum geht es konkret?
Maiburg: Grundlage ist die wahre, bewegende Geschichte des jungen Christopher McCandless, der nach seinem hervorragenden Universitätsabschluss sein gesamtes Vermögen verschenkt, seine Familie verlässt und sich auf eine abenteuerliche Reise durch die USA begibt. Sein Ziel ist Alaska, wo er allein und unabhängig von der Zivilisation in der Natur leben möchte. Auf seinem Weg begegnet er zahlreichen Menschen, die ihn als warmherzig, offen und außergewöhnlich beschreiben. Getrieben von der Suche nach Freiheit und dem Sinn des Lebens verfolgt er seinen Traum kompromisslos – doch das Abenteuer endet tragisch. In den letzten Wochen seines Lebens erkennt er, wie wichtig menschliche Verbundenheit für das Glück ist. In seinem Tagebuch hinterlässt er den Satz: „Glück ist nur wirklich, wenn man es teilt.“ Diese Erkenntnis macht seine Geschichte bis heute so berührend und aktuell.

Das Maiburg Ensemble. Foto: Orion Dahlmann

S-Quin: Wie setzen Sie es im Konzert um?
Maiburg: Unser Maiburg Ensemble spielt eigene Arrangements, unter anderem von Johann Sebastian Bach, Gustav Mahler, Felix Mendelssohn Bartholdy und Keith Jarrett. Mein Sohn, Florian Gerhards, singt und der fantastische Schauspieler Thomas Kitsche liest aus dem Roman. Thomas Kitsche war schon an verschiedenen Schauspielhäusern tätig – unter anderem auch am Düsseldorfer Schauspielhaus – und ist aktuell bei der sehr bekannten Apple-TV-Serie „Hijack 2“ als Schauspieler zu sehen. Von seiner Ausstrahlung her passt er hervorragend zur Hauptfigur des Romans „Into the Wild“. Mein Sohn hat Jazz-Trompete studiert, singt aber auch seit vielen Jahren. Ich habe mich mit ihm intensiv über das Projekt ausgetauscht, weil es wirklich ein generationenverbindendes Thema ist. Es geht um zentrale Fragen: Was bedeutet ein selbstbestimmtes Leben? Welche Rolle spielen Familie, Freiheit und Verantwortung?

S-Quin: Was wird er singen?
Maiburg: Die ausgewählten Lieder spiegeln die Persönlichkeit der Hauptfigur des Romans wider. So erzählt „Mother Nature’s Son“ von den Beatles von einem jungen Menschen, der friedlich und im Einklang mit der Natur leben möchte. Auch „Nature Boy“, bekannt geworden durch Nat King Cole, handelt von einem jungen Außenseiter, der eine besondere Weisheit in sich trägt. Am Ende des Liedes heißt es, der Sinn des Lebens sei, zu lieben und geliebt zu werden – ein Gedanke, der wunderbar zum Schluss des Buches passt, wenn Christopher McCandless erkennt: „Glück ist nur wirklich, wenn man es teilt“. Den Abschluss bildet „Feeling Good“, ein Song über Aufbruch, Freiheit und den Mut zu einem Neuanfang. Begleitend zum Konzert bieten wir außerdem einen Schulworkshop an.

S-Quin: Richtig, Sie machen jedes Jahr auch Schulworkshops.
Maiburg: Ja, ich plane gerade das Konzept. Die Workshops machen uns immer große Freude, sind aber auch mit viel Vorbereitung verbunden. In diesem Jahr sind wir mit „Into the Wild“ an zwei Schulen zu Gast – an einer Gesamtschule in Krefeld und an einer Hauptschule in Düsseldorf. Thomas Kitsche wird aus dem Roman lesen, begleitet von Musikstücken des Programms. Das ganze Ensemble ist dabei! Anschließend kommen wir mit den Schülerinnen und Schülern über die Themen Freiheit, Identität und Lebensentscheidungen ins Gespräch. Ein weiterer Workshop greift unser Türkei-Programm aus dem vergangenen Jahr auf.

Stefan Temmingh und Margret Koell eröffnen mit „Sound Stories“ das Festival. Foto: Armin Linke

S-Quin: Was ist die zweite Eigenproduktion in diesem Jahr?
Maiburg: „Ein Siegel aus Rubin“ am 30. August auf Schloss Dyck. Unser Ensemble erkundet mit der israelischen Mezzosopranistin Shai Terry die Verbindungen zwischen jüdischer und nichtjüdischer Kultur. Sie singt bekannte Lieder über Verlust, Hoffnung und Lebensfreude. Dazu liest die aus Russland stammende Autorin Lena Gorelik Auszüge aus ihrem Roman „Wer wir sind“, in dem sie von Migration, Identität, Zugehörigkeit und dem Ankommen in einer neuen Heimat erzählt. Das Programm haben wir bereits 2024 aufgeführt. Damals fand es im Schatten des Hamas-Anschlags aus dem Vorjahr statt, mit stark reduzierter Zuschauerzahl. Weil das Programm das Publikum besonders bewegt hat, nehmen wir es jetzt erneut ins Festivalprogramm auf. So möchten wir auch denjenigen die Möglichkeit geben, das Konzert zu erleben, die damals keine Karten mehr erhalten konnten.

S-Quin: Neben diesen Eigenproduktionen haben Sie wieder viele Gäste dabei. Zum Beispiel beim Eröffnungskonzert „Sound Stories“ am 23. August auf Schloss Dyck – mit neun Blockflöten und drei Harfen. Wie sind Sie denn darauf gestoßen?
Maiburg: Ich werde von Agenturen, Künstlerinnen und Künstlern angeschrieben, ob sie beim Festival auftreten können. Nicht alle passen in unser Programm. Ich schaue mir aber alle Vorschläge an und behalte die, die interessant sind, in Erinnerung. Beim Duo Stefan Temmingh und Margret Koell war das der Fall. Sie spielen Werke aus fünf Jahrhunderten, verwobene Klanggeschichten von Bach bis Piazzolla mit drei Harfen und neun Blockflöten. Auch die anderen Konzerte zeichnen sich durch eine große Vielfalt und eine breite Palette musikalischer Ausdrucksformen aus. In vielen Fällen entsteht das konkrete Programm im Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern.

S-Quin: Was hat Sie denn beim Konzert „Trance & Rhythm“ mit dem Duo Anna Carewe und Oli Bott am 11. September in der Kirche Wickrathberg überzeugt?
Maiburg: Vor allem die Kombination der Instrumente Cello und Vibraphon sowie der Bogen vom Barock bis zum Jazz mit eigenen Arrangements. Das Vibraphon ist ein ganz spannendes, tolles Instrument, das in seiner heutigen Form in den 1920er-Jahren entwickelt worden ist und leider nur selten zu hören ist. Beide Künstler sind dafür bekannt, immer wieder neue und spannende musikalische Wege zu beschreiten. Das Konzert passt hervorragend in die Kirche Wickrathberg: Der intime Kirchenraum mit seiner besonderen Akustik bietet den idealen Rahmen für dieses Programm.

Der Stepptänzer Nikolai Kemeny verleiht dem Konzert „Scheunenzauber – Stepptanz, Tasten & der Geist des Jazz“ besonderen Glanz. Foto: Tom Dachs

S-Quin: Das einzige Konzert, über das wir noch nicht gesprochen haben, ist „Scheunenzauber – Stepptanz, Tasten & der Geist des Jazz“, mit Florian Noack und Nikolai Kemeny am 25. September im Kaarster Tuppenhof.
Maiburg: Bei der Pariser Weltausstellung 1900 gelangten erste Vorläufer des Jazz aus Amerika nach Europa und inspirierten Komponisten wie Maurice Ravel, Erwin Schulhoff und Claude Debussy, die neuen Rhythmen und Klangfarben in ihre Werke aufzunehmen. Im Konzert erklingt zudem authentischer Jazz der 1920er-Jahre, zum Beispiel von George Gershwin. Daraus entstand die Idee, das Programm um einen Stepptänzer zu erweitern – das besondere i-Tüpfelchen des Abends. Dabei ist der Tap Dance weit mehr als eine visuelle Bereicherung: Er greift die rhythmischen Strukturen der Musik auf, verstärkt sie und wird selbst zu einem perkussiven Instrument. Und schließlich gehört Tanz seit vielen Jahren zu den festen Bestandteilen des Festivalprogramms.

S-Quin: Teil des Festivals sind ja auch zwei Werkstattkonzerte in Haus Katz in Jüchen, jeweils kurz vor den großen Eigenproduktionen.
Maiburg: Ganz genau. Die Werkstattkonzerte erfreuen sich großer Beliebtheit. Viele Besucherinnen und Besucher sind dankbar für die seltene Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen und mitzuerleben, wie wir uns musikalisch begegnen, aufeinander reagieren und gemeinsam eine künstlerische Vision entwickeln. Die Atmosphäre dieser Werkstattkonzerte ist immer sehr entspannt. Im Konzert erlebt das Publikum das fertige Ergebnis, ohne zu sehen, was ihm vorausgegangen ist. Umso wichtiger finde ich es, Einblicke in unsere künstlerische Arbeit zu geben und zu zeigen, wie Programme entstehen, Ideen entwickelt werden und Künstlerinnen und Künstler gemeinsam zu einem musikalischen Ganzen finden.

S-Quin: Die letzte Frage: Worauf freuen Sie sich besonders?
Maiburg: Das kann man kaum sagen. Ich bin zum Beispiel sehr gespannt, wie beim „Scheunenzauber“ Stepptanz, Klavier und Jazz zusammenwirken. Und natürlich freue ich mich besonders auf unsere Neuproduktion. Es sind wieder so großartige Künstlerinnen und Künstler dabei, dass mir die Entscheidung wirklich schwerfällt. Vielleicht ist genau das das Schöne am Festival: Jedes Konzert hat seinen ganz eigenen Reiz und verspricht besondere musikalische Momente.

Gewinnen Sie mit S-Quin Tickets!

S-Quin verlost 3 × 2 Tickets für das Eröffnungskonzert „Sound Stories – Klanggeschichten in Schloss Dyck“ am 23. August 2026. Das Gewinnspiel finden Sie online in der S-Vorteilswelt der Sparkasse Neuss. Teilnahmeschluss ist der 3. Juli 2026. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Kundinnen und Kunden der Sparkasse Neuss. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse Neuss und deren Angehörige sind von der Gewinnspielteilnahme ausgeschlossen. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die detaillierten Teilnahmebedingungen finden Sie auf der Gewinnspielseite in der S-Vorteilswelt.

Titelfotos: Klaus Stevens

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