Anette Maiburg: „Konzerte fast wie Theaterinszenierungen“

Musik von Jazz bis Klassik, dazu Lesungen und Tanz: Das Niederrhein Musikfestival präsentiert vom 14. August bis 22. Oktober 2022 insgesamt zwölf Konzerte, die es in sich haben. Anette Maiburg, Flötistin und künstlerische Leiterin des Festivals, gibt einen Ausblick. Übrigens: S-Quin-Kunden können Tickets gewinnen.

Interview: Gunnar Erth

Anette Maiburg. Foto: Harry Vorsteher

S-Quin: Warum heißt das Motto des Festivals 2022 „Wortklang – Musik und Poesie im Dialog“?
Anette Maiburg: In diesem Jahr wird bei jedem Konzert Musik mit Wort kombiniert. Das kann unterschiedlich sein – mal wird es von einem Musikwissenschaftler oder Mitglied des Ensembles moderiert, mal kommt eine Lesung hinzu. Und dann haben wir natürlich auch Konzerte, bei denen der Gesangstext eine Rolle spielt, etwa im Konzert „Der Geist weht, wo er will“ mit Vokalmusik aus verschiedenen Kulturen oder bei „Winterreise auf sechs Saiten“, ein Konzert, bei dem Franz Schuberts berühmter Liederzyklus auf der Gitarre begleitet wird. Das Wort hat auch schon letztes Jahr eine große Rolle beim Festival gespielt – das haben wir weiter verstärkt, weil es so gut ankam.

S-Quin: Steht Ihr Festival wieder für eine Mischung aus Klassik, Jazz, lateinamerikanischen, südeuropäischen und Balkan-Klängen?
Maiburg: Auf jeden Fall. Das liebt unser Publikum. Unsere Devise ist ja, dass wir Musik zu möglichst vielen Menschen bringen möchten. Unsere Programme decken bewusst unterschiedliche Musikstile ab, um ein großes Publikum anzusprechen und es für Neues zu öffnen. Klassikliebhaber bekommen so zum Beispiel auch World Music zu hören und umgekehrt. Aber unser Festival bietet ja noch mehr. Die Kombination aus Musik, Tanz und Texten kommt jedes Jahr ganz hervorragend beim Publikum an – es sind ja auch fast kleine Theaterinszenierungen, weil verschiedene Künste zusammenkommen. Und das gefällt nicht nur mir wirklich sehr gut.

„Die Kombination aus Musik, Tanz und Texten kommt ganz hervorragend an“

S-Quin: An welche neuen Musikrichtungen wagen Sie sich diesmal heran?
Maiburg: Wir hatten schon mit unserem vorgezogenen Eröffnungskonzert „Oriental Colours“ im Juni ein großes Experiment mit Musik aus dem Iran, die wir mit neuen Arrangements versehen haben. Das war sehr spannend, denn auch wenn man vorher überlegt, welchem Komponisten oder Arrangeur man welches Stück überträgt, weiß man noch nicht, was am Ende daraus wird. Es hängt zudem sehr von den Musikern ab, wie die Stücke klingen. Das Resultat war sehr beeindruckend. Ähnlich ist es diesmal beim Konzert „Metamorphosen“, das es im letzten Jahr schon gab, aber diesmal komplett neu ist – Kompositionen und Bearbeitungen.

S-Quin: „Metamorphosen – Verwandlung in Wort und Klang“ ist das große Abschlusskonzert, das dieses Mal gleich zweimal stattfindet. Was genau spielen Sie?
Maiburg: Wir interpretieren klassische Werke von Bartók, Rachmaninow, Mahler, Ravel und anderen Komponisten neu, mit außereuropäischen Elementen und Einflüssen des Jazz. Dazu liest der Schauspieler Jürgen Hartmann sehr eindrucksvolle Texte von Ovid, Hermann Hesse und anderen Schriftstellern. Das Konzept hat im vergangenen Jahr unser Publikum begeistert.

Das Metamorphosen-Konzert wird ein echtes Festival-Highlight sein. Foto: Emil Zander

S-Quin: Ganz wichtig beim Niederrhein Musikfestival ist auch der Tanz. Worauf kann sich das Publikum freuen?
Maiburg: Tanz ist fester Bestandteil mehrerer Konzerte. Unser Open-Air-Konzert „Plaisir d’Amour“ vor Schloss Dyck kombiniert Musik, Poesie und Tanz aus Frankreich. Eine Tänzerin, die beim Düsseldorfer Ballett war und jetzt freischaffend tätig ist, setzt Musik von Francois Couperin, Jean-Philippe Rameau und anderen in Szene. Die Choreographie dieser Neuproduktion – klassisches Ballett im modernen Gewand – stammt von Martin Chaix, einem international erfolgreichen Choreographen, der unserem Festival seit mehreren Jahren zur Seite steht. Er gestaltet auch wieder unser „Metamorphosen“-Konzert mit, ebenfalls mit einer Düsseldorfer Tänzerin. Dort spielen wir Musik von Bartók, Rachmaninow, Mahler, Ravel und anderen. Und: Wir haben das Konzert „Ritmos andinos“ mit Musik und Tanz aus Peru – mit einer Tänzerin aus dem lateinamerikanischen Land.

„Vom Volkstanz bis zum peruanischen Jazz“

S-Quin: Was präsentieren Sie an peruanischen Tänzen?
Maiburg: Das Programm der Tänzerin ist sehr facettenreich. Das reicht von Volkstanz bis zum peruanischem Jazz, der dem Stepptanz nicht unähnlich ist.

S-Quin: Das Festival entsteht ja immer im engen Austausch mit den Künstlern. Welche Impulse haben Sie diesmal besonders beeindruckt?
Maiburg: Der Dramaturg Axel Fuhrmann, der bei uns auch für die Regie unserer Konzertfilme zuständig ist, hat mir sehr geholfen, die Konzertteile ineinanderzufügen und so die Balance zwischen Wort, Tanz und Klang zu finden. Es macht Spaß, mit einem Profi wie ihm zusammenzuarbeiten. Zudem ist es immer schön, besondere Instrumente dabeizuhaben. Das war bei „Oriental Colours“ mit der Santur der Fall, einer orientalischen Tischharfe, die in der persischen Musik Verwendung findet. Es war sehr spannend, das Instrument und seinen Spieler kennenzulernen, gemeinsam zu ergründen, welche Möglichkeiten das Instrument bietet und wie wir es in die europäische Klangwelt des Konzerts integrieren können.

Singer Pur. Foto: Anna-Lena Elbert

S-Quin: Welche Konzerte sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen?
Maiburg: Ich finde das Vokalensemble Singer Pur fantastisch. Das ist am 11. September in der Kirche Wickrathberg in Mönchengladbach mit dem Konzert „Der Geist weht, wo er will“ zu sehen. Aber auch unser „Metamorphosen“-Programm mit seiner großen Vielfalt ist wirklich großartig.

S-Quin: Die beiden „Metamorphosen“-Konzerte finden in der Düsseldorfer Neanderkirche sowie der Festhalle Viersen statt. Das sind neue Spielorte, oder?
Maiburg: Ja, das stimmt. Die Festhalle Viersen mit ihrer wunderbaren Akustik verdanken wir einer Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt. Auch auf die Neanderkirche freuen wir uns sehr, weil dies eine sehr schöne Kirche mit einer warmen Atmosphäre ist.

„Unser digitaler Konzertsaal ist wirklich einen Besuch wert“

S-Quin: Was ist sonst noch neu beim Festival 2022?
Maiburg: Eine ganze Menge. Es gibt jetzt erstmals den Abo-Dreier, das ist ein Mini-Abo, das drei Konzerte umfasst. Ganz neu und unbedingt einen Besuch wert ist unser digitaler Konzertsaal. Dort erhält man viele Informationen zu den vergangenen und aktuellen Konzerten, inklusive Videos und Fotos. Man findet dort ebenfalls unseren Podcast „Artists around the world“, in dem Künstler die Konzerte vorstellen und Interviews geben. Und wir geben dort einen Einblick in den großen Bereich Musikvermittlung.

S-Quin: Sie hatten doch schon mit Coronabeginn angefangen, mehr im Internet zu präsentieren, oder?
Maiburg: Ja, wir hatten das begonnen und jetzt deutlich erweitert. Etwa mit dem Podcast – und auch professionellen Konzertfilmen. Im Moment arbeiten wir gerade am Film zu „Oriental Colours“, der spätestens Ende Juli auf unserer Homepage zu sehen sein wird. Einfach mal reinschauen, es lohnt sich!

Digitaler Konzertsaal Foto Harry Vorsteher

S-Quin: Was machen Sie genau im Bereich Musikvermittlung?
Maiburg: Wir halten regelmäßig Workshops an Schulen über die Musik verschiedener Ländern, zusammen mit Musikern aus diesen Ländern. Wir bringen den Schülerinnen und Schülern Musik, Tanz und Instrumente näher. Als Ergänzung zum Eröffnungskonzert „Oriental Colours“ hatten wir Ende Juni bereits Vermittlungs-Workshops an drei Schulen. Demnächst folgt einer zu Musik aus Peru und ein großer Workshop, in der die brasilianische Sängerin Rosani Reis zwei Wochen lang an einer Grundschule den Kindern Musik aus ihrem Heimatland vorstellen wird. Sie wird mit ihnen brasilianische Lieder einstudieren und Bewegungskoordination machen.

„Die Kinder machen bei den Workshops immer toll mit“

S-Quin: Wie reagieren die Kinder auf diese Workshops?
Maiburg: Die sind sehr begeistert und machen immer toll mit, auch bei den Tanz-Workshops. Die Lehrer sprechen uns immer an, ob wir auch im nächsten Jahr wiederkommen können.

S-Quin: Ist denn das Festival nach zwei Coronajahren organisatorisch jetzt wieder in etwas ruhigerem Fahrwasser?
Maiburg: Leider noch nicht. Wir sind natürlich sehr dankbar, weil uns alle Sponsoren weiter unterstützen. Es gab sogar einige, die bei uns nachgefragt haben, wie es uns geht – und die etwas mehr gegeben haben, weil sie wissen, dass die Kulturszene leidet. Gleichzeitig bauen wir unser Angebot aus, etwa mit dem digitalen Konzertsaal. Wir sind trotz der vielen Arbeit mit großer Freude dabei und hoffen, dass es in den Jahren besser wird. Natürlich bleibt Corona ein Unsicherheitsfaktor, aber auch darauf stellen wir uns ein – etwa, indem wir in diesem Jahr vier Open-Air-Konzerte haben.

Mit S-Quin Tickets gewinnen

S-Quin verlost jeweils 2 × 2 Freikarten für das Konzert „Balkan Dreams“ am 14.08.2022 auf Rittergut Birkhof in Korschenbroich sowie das Konzert „Lusoriental – Sounds from Lisbon“ am 28.08.2022 auf dem Gelände von Schloss Dyck in Jüchen. Das Gewinnspiel finden Sie auf www.s-quin.de. Teilnahmeschluss: 01.08.2022

Mitmachen kann jeder über 18 Jahren, ausgenommen Mitarbeiter der Sparkassen-Finanzgruppe. Veranstalter des Gewinnspiels ist die S-Markt & Mehrwert GmbH & Co. KG, Grenzstraße 21, 06112 Halle (Saale), die auch die Gewinner informiert. Jeder kann nur einmal am Gewinnspiel teilnehmen. Unter allen Teilnehmern werden die genannten Preise verlost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht in bar ausgezahlt werden und ist nicht übertragbar. Die personenbezogenen Daten werden nur zur Durchführung des Gewinnspiels verwendet und nicht gespeichert.

Das Faya Ensemble entführt die Konzertbesucher musikalisch nach Portugal. Foto: Catarina Vasconcelos

Das Festival im Überblick:

  • Sa, 13.08.2022, 16 Uhr, Haus Katz Jüchen: Balkan Dreams (Werkstattkonzert, Eintritt frei)
  • So, 14.08.2022, 16 Uhr, Rittergut Birkhof in Korschenbroich: Balkan Dreams
  • Sa, 20.08.2022, 16 Uhr, Haus Katz Jüchen: Plaisir d‘Amour – Musik, Poesie und Tanz aus Frankreich (Werkstattkonzert, Eintritt frei)
  • So, 21.08.2022, 16 Uhr, Schloss Dyck, Jüchen: Plaisir d‘Amour
  • So, 28.08.2022, 16 Uhr, Schloss Dyck, Jüchen: Lusoriental – Sounds from Lisbon
  • Do, 01.09.2022, 15 Uhr, Tuppenhof Kaarst: Ritmos andinos – Musik und Tanz aus Peru (Werkstattkonzert, Eintritt frei)
  • Sa, 03.09.2022, 16 Uhr, Tuppenhof Kaarst: Ritmos andinos
  • So, 11.09.2022, 16 Uhr, Kirche Wickrathberg, Mönchengladbach: Singer Pur: Der Geist weht, wo er will
  • So, 25.09.2022, 16 Uhr, Stammenmühle Nettetal: Fremd bin ich eingezogen… Die Winterreise auf sechs Saiten
  • Do, 20.10.2022, 18 Uhr, Haus Katz Jüchen: Metamorphosen – Verwandlung in Wort und Klang (Werkstattkonzert, Eintritt frei)
  • Fr, 21.10.2022, 20 Uhr, Festhalle Viersen: Metamorphosen
  • Sa, 22.10.2022, 19 Uhr, Neanderkirche Düsseldorf: Metamorphosen

Das Programm sowie weitere Informationen finden Sie unter www.niederrhein-musikfestival.de.

Titelfoto: Emil Zander

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